Die Zukunft der Feuerwehr

am .

35 Jungen und Mädchen sind aktuell Mitglieder der Jugendfeuerwehr. Bei ihrer Jahresdienstbesprechung machten sie deutlich, dass sie weit mehr sind als nur eine Kaderschmiede für die aktive Freiwillige Feuerwehr der Stadt Bergkamen.
 
Vor rund eineinhalb Jahren wurde die Altersgrenze für Einsteiger von zwölf auf zehn Jahre herabgesetzt. „Mit zwölf Jahren sind die Jungen und Mädchen oft schon in anderen Vereinen aktiv“, begründete Tobias Rydzy, Leiter der Jugendfeuerwehr, den Schritt. Das Konzept scheint aufzugehen.

Viele ganz junge Menschen saßen an den Tischen im Feuerwehrgerätehaus an der Bambergstraße. 14 Neuaufnahmen hatte es im vergangenen Jahr gegeben, und dem standen nur neun Abgänge gegenüber. Vier verlassen die Feuerwehr ganz, fünf junge Erwachsene wechseln zu den aktiven Rettern. Max Matthies ist künftig Mitglied der Löschgruppe Weddinghofen, Kristine Koepe ist in Mitte aktiv, Sidney Jägerhulsmann in Overberge und Scherwin Heitmann in Oberaden.

Denn noch immer ist die Jugendfeuerwehr die „Zukunft der Feuerwehr“, die Bürgermeister Roland Schäfer es nannte. Ein Großteil des Feuerwehrnachwuchses stamme aus der Feuerwehrjugend. „Ihr habt viel Spaß gemeinsam, lernt dabei aber auch etwas“, sagte Schäfer, denn die klassische Jugendarbeit der Feuerwehr habe einen ernsten Hintergrund: „Anders als in Sportvereinen geht es hier um die Heranführung an eine wichtige Funktion für eine Stadt. „Unsere Feuerwehrleute sind alles Ehrenamtliche, sie sind gut ausgebildet und hoch motiviert. Ob Brände, Hochwasser oder Unglücke auf der Autobahn, sie wissen, was zu tun ist und wie zu helfen ist. Wir sind stolz auf unsere Feuerwehr und auch die Jugendfeuerwehr“, erklärte Schäfer. „Die Stadt setzt auf Euch, dass Ihr durchhaltet und auch Eure Freunde dazu animiert, in die Feuerwehr zu kommen.“

Die Jugendarbeit hat bei den Bergkamener Brandbekämpfern eine lange Tradition, die sogar älter ist als die Stadt selbst. So begeht die Jugendfeuerwehr bereits in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen – ebenso wie die Jugendfeuerwehr im Kreis Unna. Das wird an Pfingsten gefeiert – mit einem dreitägigen Zeltlager rund um das Oberadener Jugendheim Yellowstone. Hier feiert dann nicht nur der Bergkamener Feuerwehrnachwuchs, sondern die aus dem gesamten Kreis Unna. „Das wird ein spannendes Event“, ist Tobias Rydzy überzeugt. Außerdem wird es am 1. Mai das traditionelle Café in Overberge geben, einen Ausflug in den Sommerferien und die Abnahme der Leistungsspange.

Auch im vergangenen Jahr war die Truppe vielseitig aktiv, wie der Jahresrückblick bewies: Mit 3042 Stunden wurde der bislang höchste Wert festgehalten. „Mit 35 Mitgliedern sind wir aber auch am oberen Limit der Leistungsfähigkeit angelangt“, erklärte Rydzy. Doch es gab nicht nur die 14-tägigen Treffen, immer im Wechsel bei einer anderen Löschgruppe, die feuerwehrtechnischen Dienste und die Aktionen zur Gemeinschaftspflege, es gab auch Sitzungen des Jugendforums, wo sich die Jugendlichen kreisweit mit anderen austauschen können.

Erstmals gab es 2014 einen Elterntag, bei dem die Eltern sich den Verlauf eines typischen Dienstes bei der Jugendfeuerwehr anschauen konnten. Ein Höhepunkt war auch der 24-Stunden-Dienst, bei dem die Jugendlichen das Gefühl bekamen, wie der Alltag eines Berufsfeuerwehrmanns ausschaut. Mit den einzelnen Löschgruppen gab es gemeinsame Übungen in den spezifischen Fachbereichen der Löschgruppen. Zum ersten Mal ging es zur Stadtrallye in Kamen und auch der Ausflug in den Kletterwald in Wetter kam gut an.

Bei der Jahresdienstbesprechung, an der auch Vertreter der Ratsfraktionen teilnahmen, erfuhren die Jugendlichen aber auch viel über die Tätigkeiten ihrer erwachsenen Kameraden: So mussten diese 438 Einsätze abarbeiten, worunter 34 am 30. April im Rahmen des Starkregens anfielen. Reaktionen riefen bei den Jugendlichen die gezeigten Bilder von Autos aus Essen, Mühlhausen und Düsseldorf hervor, die beim Sturmeinsatz beschädigt wurden.

Ganz still wurde es jedoch, als Bilder von einem Autowrack aus Bergkamen gezeigt wurden: Im Juli waren zwei junge Männer bei einem schweren Unfall auf der Erich-Ollenhauer-Straße ums Leben gekommen. „Nach diesem Unfall gab es eine persönliche Betreuung für die Feuerwehrleute, die am Einsatz beteiligt waren“, erklärte Wolfgang Lantin von der Wehrführung den Jugendlichen. „Es ist wichtig, dass wir offen über unsere Erfahrungen sprechen. Wir dürfen keine Hemmschwellen aufkommen lassen.“ (Quelle: Westfälischer Anzeiger)